Season’s greetings von Mallorca

Ich bin, nein natürlich WIR sind auf Mallorca. Und JA, wir genießen eine Auszeit. 🙂

Mallorca ist eine Insel mit vielen Facetten, traumhaft, herzige, bezaubernde Buchten um Santanyi, steile, zeit zerklüftete Klippen auf Formentor, weites Meer ringsherum. Diese Insel macht mich seit Jahren ehrfürchtig, glücklich und nachdenklich. Ein Grund für diesen Blogbeitrag. 🙂

Auf ihr mache ich immer eine Reise durch die Zeit, und zwar in die Vergangenheit, zurück in den Spätsommer. Denn soweit das Auge reicht, findest du auch jetzt im Winter, oft noch kraftvoll blühende Gärten. Ein Versuch der Natur die Zeit einzufangen? Oder doch nur die mallorquinischen Gärtner, die dazu beauftragt sind, ihn hinauszuzögern so lange es geht?

Kontrolle? Ja, das ist ein Thema dieses durch Breitengrad und Traumvorstellungen begrenzten Kleinods. Denn Mallorca ist zugleich ein Ort der Einsamkeit und Fundgrube jeglichen Rummels, je nach dem, und Bedarf.

Unwissentlich, nichtsahnend bieten ihre steinigen, lehmigen, trockenen, waldigen, grünen, oder betonierten Regionen jedem Besucher das, was seine Augen wahrzunehmen bedürfen, was seine Stimmung braucht.

Diese Muße habe ich in meinem Garten in Österreich nicht. Dort suche ich den Schatten, zwar nicht unter Palmen, hier reicht mir die Marquise. Nun gut, daheim gibt es wohl immer was zu tun, die Zeit tickt einfach anders.

Mallorca eine Lüge

Doch Mallorca ist für mich ebenso eine Lüge. Einem echten Mallorquiner bin ich hier fast nie begegnet. Außer den paar, wie gerade heute, wahrscheinlich waren es Bauern, an denen ich in aller Herrgottsfrühe, aufgeschreckt, durch die gar nicht so fern jaulenden Hunde, vorbei gejoggt bin.

Mallorca ist eine Insel der Anderen, eine Insel, die ihren Traum aufgegeben hat, die sich ergeben hat, den Geldbörsen der Deutschen, Österreicher, Engländer und Amerikaner. Ja, sie ist International geworden, kosmopolitisch, für mich trotzdem ein Sorgenkind, eine Vollweise, eine Geisel ihrer selbst. Unsere Welt ist eben käuflich.

Ein Österreicher, ein Bekannter von mir, hat dort eine uralte Finca. Sie ist wunderbar schief und krumm, verwinkelt und verschachtelt, doch sie hat Wasser aus Wand, Licht, und ein eigenes außergewöhnliches Flair, das der Reduktion.

Er sieht diesen Charme auch. Doch vor allem deshalb, weil es Schick ist. Weil seine Freunde, ähnliche Grundstücke, manche fix, andere alleweil bewohnen. Und in diversen Gegeneinladungen werden sich dann die neuesten Erwerbe aus zahllosen Ambiente Geschäften, Keramiken von Hobbybrennern in Rente, oder neueste Überzüchtungen farblich dem Tischtuch abgestimmter Pflanzgattungen, in überdimensionalen Steinguttöpfen, präsentiert. Solche Storys könnte ich dir viele erzählen.

Mallorca – Ort des Rückzugs

Leider sieht er den größten Reichtum nicht, den der Bedeutung einer Insel, der Begrenzung, der Möglichkeit des Rückzugs vom eben diesen üblichen Bequemlichkeiten.

Solche Typen habe ich hier schon viele kennengelernt, jedoch auch solche, die mittlerweile wie Eremiten leben. Dein einst die Qualitäten, den Wert der Insel erkannten, die, die Kurve aber nicht bekamen, beziehungsweise auch erschöpft vom Trubel den gänzlichen Rückzug in sich, verborgen hinter Sandsteinmauern vorziehen.

Die Flucht vor sich selbst

Deutsche, Österreicher, Engländer auf Mallorca. Auf der Flucht, vor sich selbst, und oder der Gesellschaft?

Das Glück, das sie suchen, hat aber auch dort kein Nest, wie viele glauben, nirgendwo! Und dann kommen sie nach x Jahren zurück, um auf dem heimischen Friedhof in Kleinkleckersdorf begraben zu werden.

Wie kann jemand eigentlich, mal abgesehen von dem ganzen Rummel um die Pandemie die letzten zwei Jahre, vor so einem Wirtschaftswunder, wie Deutschland, oder Österreich fliehen?

Vor allem, wie kann man vor seiner Nation davonlaufen, seiner Identität?

Doch was sage ich, denn ich war ja genauso bescheuert, dumm, naiv, bin ich feige fortgelaufen, damals, vor 30 Jahren. Und ich fand es cool, vor allem, wenn ich zu Besuch in Berlin war, und allein mit diesem Umstand „angeben“ konnte. Ich fühlte mich besonders, genoss diesen eigenen „Status“. Keiner wusste (wirklich) was von mir. Ich war geheimnisvoll, konnte mit Pauken und Trompeten auffahren, und mit meinem schwarzen BMW, und hatte auch eine Zweitwohnung in der Big City, wofür mich meine alten „Freunde“ wohl am liebsten gesteinigt hätten.

Ist es Erfolg in Mallorca, im Ausland, woanders zu leben? Wie es ausieht und wenn wenn man so googlet, wird dies ja von vielen, vor allem jungen Online Vermarktern angestrebt?

Nun ja, ich würde sagen es kommt drauf an. Denn es wäre ja erstmal zu klären, was Erfolg überhaupt ist, oder?

Ich habe auch viele Jahre in China gelebt und derzeit pendeln wir seit fast vier Jahren zwischen Desenzano in Italien und Hallein. Und ich kann sagen, ich bin sehr glücklich. Denn Heimat ist für mich einfach das ist, wo ich mich wohl fühle!

Neidkultur und Gegenmaßnahmen

Keiner weiß mehr über deinen Erfolg als Neider. Egal ob in Netzwerken, im Job oder im Privatleben. Du denkst dir nix und weißt vor Freude an der Arbeit gerade nicht, wo dir der Kopf steht, aber deine Neider wissen, dass es bei dir gerade richtig rund läuft, und dann….

Und ich habe diesen Neid immer gespürt. Deshalb war ich auch (dumm) großzügig, lud alle ein, kaufte mir dato meine Annahme. Furchtbar! Ja, es ist traurig, denn wie ich glaube, wird der Rohstoff Mensch knapp. Ein Paradox auf diesem überbevölkerten Planeten, oder? Und ja, ich spreche von echten Freunden und vertrauensvollen, ehrlichen Beziehungen. Denn sie sind (zumindest für mich) Mangelware geworden. Doch hier spielen wir mit dem Fundamentalen, unserem inneren Kern.

  • Denn ist es nicht verrückt, wenn geliebt werden, ehrliche Anerkennung und Liebe kraft kostet.
  • Macht sie dann nicht müde?
  • Was nützt es, wenn ich am Gipfel kaputt, und ausgelaugt bin?
  • Kann ich den Blick dann noch genießen?
  • Sind wir dazu verdammt ein Leben lang in dieser Illusion vom Glück zu treiben, und dafür unentwegt kraftzerrende, sinnlose Reisen ins Außen unternehmen?

Ist ein Leben egal wo, ob auf Mallorca, China, den USA oder Italien, nicht ähnlich, wie eine genormte Brennholz-Lieferung im September? Wenn wir jedoch, lusttrunken im Oktober derart einheizen, weil wir verwöhnt sind, von der Restwärme des Septembers und lieber im T-Shirt rumlungern, als eine Jacke drüber zu ziehen, wenn wir im Dezember eins drauf setzten, und täglich Saunabaden…wie lange wird der Brennstoff dann reichen? Bis April, wo oft noch kalte Tage lauern? Oder nur bis Ende Februar, weil wir dort besonders viel Holz brauchen, der dieser besonders tückisch ist?

Die Reise zu uns

Abgesehen von diesem Inselbesuch, bin ich seit geraumer Zeit tatsächlich nur noch auf einer Reise, die bisher beschwerlichste meines Lebens, die Reise zu mir.

Ich weiß, ich stehe nicht mehr ganz am Anfang, deshalb bin ich bin froh, immer mehr diesen entscheidend klaren Blick in diese begrenzt reiche Zukunft zu haben.

Dieser Blick war schließlich nicht nur Grund für meinen Aufbruch, sondern er beeinflusst in großem Maß auch die Reisezeit, um noch zu Lebzeiten anzukommen.

Inzwischen sehe ich Mallorca aus zwei Blickwinkeln.

Erstens, weil ich in einer Hülle von Liebe mit meinem Sonnenschein Hans dorthin geschwebt bin. Und zweitens in ihrem Wesenskern, ihrer authentischen Art, weshalb mir nichts entgangen, auch nichts scheinbar Schlechtes verborgen geblieben ist.

Die Insel der Selbstliebe

Mein Schatz und ich werden sie wieder besuchen, denn es gibt magische Plätze hier, jene, die es wiederum an jedem Ort der Welt gibt, und die ihn selbst ausmachen. Deshalb?

Nein, ich liebe es einfach diese Insel aus vielen Augen zu betrachten. In Liebe zu mir, und aus denen einer besonderen Liebesbeziehung zu meinem Lebensmensch, meiner großen Liebe Hans, weil ich sie dadurch erst in ihrer Vollkommenheit sehe.

Das Schicksal geht seltsame Wege, und die Wahrscheinlichkeit, einem solchen Lebensmenschen auf einem dieser unendlich vielen Lebenspfade zu begegnen ist gering, weshalb ich unendlich dankbar bin. Vor allem an Weihnachten.

Am Ende dieser Reise möchte ich nun mit dir lieber Leser diesen erhabenen Blick genießen. Geblendet von den in der Ferne in sich verschmelzenden azurblauen Tiefen, und ebensolchen Höhen, atme mit mir die Millionen feinen, unsichtbaren Wasser Tröpfchen ein, die den Duft, und die Kraft der gesamten Inseloase in sich tragen, und tue nichts. Denn ich halte deine Hand.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Liebe für dich und deine Familie, wünscht dir von Herzen

Deine Doreen und auch meine ganze Familie

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