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Was ist Wissen?

Wissen im Ursprung

Was ist Wissen in seinen Wurzeln? Der Ausdruck ‚Wissen‘ stammt von althochdeutsch wizzan‘ bzw. der indogermanischen Perfektform *woida ,ich habe gesehen‘, somit auch ,ich weiß‘; von der indogermanischen Wurzel *weid- leiten sich auch lateinisch videre ,sehen‘ und Sanskrit veda ,Wissen‘ ab. Wissen bedeutet, verschiedene Fähigkeiten zu erlernen, die auf Erfahrungen mit der Umwelt beruhen. Diese Erfahrungen beziehen sich auf das Handeln, woraus sich verschiedene Handlungsmuster entwickeln (vgl. Brockhaus 2006, S. 200ff.).

  • Deklaratives Wissen (=wissen dass)
  • Prozedurales Wissen (=wissen wie)

Definition von Wissen

Die Anzahl der Wissensdefinitionen ist schier unendlich. Viele Wissenschaftler haben versucht eine Schneise ins Wissensdickicht zu schlagen. Wissen gehört zu den „Begrifflichkeiten des verwertbaren Ungefähren“.

Erpenbeck und Sauter definieren den „Wissensbegriff“ im engeren – Regeln, Werte und Normen, Emotionen und Motivation ausschließenden Sinne und im weiteren Sinne, alle Bewusstseinsresultate, auch die vagen, wertenden wie Glauben und Meinen, und die damit verbundenen Emotionen und Motivationen einschließend. Diese beiden Begriffe laufen oft über- und ineinander. Das Management von Wissen im engeren Sinne läuft z.B. auf ein Informationsmanagement hinaus. Das Management von Wissen im weiteren Sinne ist in der Regel mit einem Kompetenzmanagement identisch.

Wissen in der Medienwissenschaft

Einen weitere Definition von Wissen aus der Medienwissenschaft: Die Basis für das Wissen bilden Informationen und Regeln (vgl. Meyers Lexikon online 2007). Eine Information kann aus der Vermittlung eines bestimmten Sachverhaltes oder der reinen Kommunikation einer Nachricht bestehen. Aufgrund von persönlichen Erfahrungen und im Zuge der eigenen Meinungsbildung wird sie bezüglich ihrer Wichtigkeit bewertet. Wird sie als wichtig und relevant eingestuft, so wird sie nachhaltig gespeichert und kann im Alltagsleben und täglichen Handeln angewandt werden. Unwichtige Informationen werden zwar kurzfristig gespeichert, dienen aber nicht der Wissensvermehrung. Die Fähigkeit, das gespeicherte Wissen anzuwenden, wird Kompetenz genannt.1

Was ist Wissen aus Sicht der Kompetenzforschung

Die Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie beschreibt „Wissen“ – ist ebenso wie Erkenntnis:

  • im weiteren Sinne eine Bezeichnung für allgemein verfügbare Orientierungen im Rahmen alltäglicher Handlungs- und Sachzusammenhänge (Alltagswissen),
  • im engeren, philosophischen und wissenschaftlichen Sinne für die auf Begründungen bezogene und strengen Überprüfungspostulaten unterliegende Kenntnis, institutionalisiert im Rahmen der Wissenschaft. Damit unterscheidet sich dieser Begriff von Meinen (Meinung) und Glauben (Glaube).

Wissen in Wikipedia

Und um auch Wikipedia zu zitieren: Wissen wird in der Erkenntnistheorie traditionell als wahre und gerechtfertigte Meinung bestimmt. Generell wird Wissen als ein für Personen oder Gruppen verfügbarer Bestand von Fakten, Theorien und Regeln verstanden, die sich durch den größtmöglichen Grad an Gewissheit auszeichnen, so dass von ihrer Gültigkeit bzw. Wahrheit ausgegangen wird. Paradoxerweise können daher als Wissen deklarierte Sachverhaltsbeschreibungen wahr oder falsch, vollständig oder unvollständig sein.2

Was ist „träges“ Wissen?

Lernen in Schule und Hochschule führt, wie empirische Studien zeigten, häufig zu trägem Wissen. Gemeint ist damit theoretisches Wissen,  das für die Lösung komplexer, realitätsnaher Probleme nicht genutzt werden kann.

Somit entsteht eine Kluft zwischen Wissen und Handeln in Schule und Hochschule. Wird Lernen nach den Vorschlägen situierter instruktionspsychologischer Theorien gestaltet, kann diese Kluft überwunden werden, sofern das Plädoyer dieser Ansätze für konstruktive Aktivität der Lernenden nicht dahingehend missverstanden wird, dass  keinerlei instruktionale Bemühungen mehr vonnöten sind.

Nur die Balance zwischen Konstruktion und Instruktion eröffnet Möglichkeiten zum Erwerb anwendbaren Wissens, das zu erfolgreichem Handeln führen kann. Dies wird exemplarisch mit Studien belegt, die in verschiedenen Bereichen schulischen und universitären Lernens durchgeführt wurden.

Wie Wissen angewandt wird

Einfach gesagt, nutzt du dein Wissen erfolgreich, wenn du bewusst verstanden hast worum es geht. Wissen ist die Vernetzung von Informationen, welche es dem Wissensträger ermöglicht, Handlungsvermögen aufzubauen und Aktionen in Gang zu setzen. Wissen ist das Ergebnis einer Verarbeitung der Information durch das Bewusstsein.

Damit gehören zum Wissen im engeren Sinne:

  • Die Kerngegenstände der Logik: Termini, Aussagen und Operatoren
  • Daten: Also Einzelinformation innerhalb umfassender Informationssysteme, die Bezugsinformationen in Gestalt von geordneten Datennetzen und Theorien voraussetzen
  • Informationen: Als kontextbezogen verknüpfte Daten, wobei Kontexte alle explizit fassbaren physischen oder geistigen Dinge, Eigenschaften, Relationen und Prozesse sein können.
  • Sachwissen, Methodenwissen und Kenntnisse.

Der enge Wissensbegriff versteht unter Wissen nur das gleichsam positive Sachwissen von der Wirklichkeit, also Kenntnisse, die von Regeln, Werten, Normen, Kompetenzen und Erfahrungen, von Emotionen und Motivationen strikt abgehoben, gleichsam wertfrei sind.

Wissen im weiteren Sinne

Wissen entsteht, wenn du Informationen wahrgenommen, bewertet und mit deinen eigenen subjektiven Erfahrungen in Beziehung gesetzt hast.

Die Kognitionsphilosophen Mario Bunge und Ruben Ardila sagen:

„Wir wissen alles, was wir je gelernt (und nicht vergessen) haben. Hier sind auch Fähigkeiten gemeint wie: Laufen lernen und die Art wie du isst. Diese Fähigkeiten wurzeln zwar in Instinkten, doch sie müssen geübt und kontrolliert werden, damit du sie gut beherrschst. Nicht zum Wissen gehören angeborene Reflexe.“

Bunge & Ardilla

Wissensmanagement

Im modernen Wissensmanagement unter anderem auch in Organisationen lässt sich eine Fülle umfassender Versuche kennzeichnen, Wissen in einer so breiten Dimension zu charakterisieren und entsprechende Wissensformen zu differenzieren. Oft wird ein entsprechender Selbstorganisationsansatz – der radikale Konstruktivismus – zum Ausgangspunkt für das Verständnis von Wissen und Wissensmanagement gewählt. Davon ausgehend plädieren Reinmann-Rothmeier und Mandl ausdrücklich für eine Höherbewertung von Gefühl, Intuition und Kreativität beim Umgang mit Informationen und Wissen.

Wissen sind im Gedächtnis verankerte Resultate

Guido Franke

Guido Franke, die wissenszentrierte Perspektive von Kompetenzen analysierend, stellt fest: Wissen ist ursprünglich immer etwas im Gedächtnis eines Individuum Gespeichertes. Bei dem Wissen handelt es sich um im Gedächtnis eingetragene Resultate psychophyischer Prozesse, insbesondere von sensorischen, motorischen und kognitiven Operationen.

Der Europäische Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement erklärt: „Wissen ist die Kombination von Daten und Informationen unter Einbeziehung von Expertenmeinungen, Fähigkeiten und Erfahrung, mit dem Ergebnis einer verbesserten Entscheidungsfindung. Wissen kann explizit und oder implizit, persönlich und oder kollektiv sein. Mit der Unterteilung in explizites und implizites Wissen werden Werte in den Wissensbereich hineingeholt.

Die Arten von Wissen

Die drei grundlegenden Wissensarten nach Franke

Franke geht, eingedenk der enormen Vielgestaltigkeit von Wissen, von drei grundlegenden Wissensarten aus:

  • Sachwissen: Dinge, Sachverhalte, Ereignisse, Vorgänge, Entwicklungen, Bedingungen, Regel- und Gesetzmäßigkeiten repräsentierend.
  • Motivatorisches Wissen: Eigene Verhaltenstendenzen, Bedürfnisse, Absichten, Wertvorstellungen betreffend.
  • Prozedurales Wissen: Eigene Operationen und Programme unterschiedlicher Komplexität betreffend.

Die Wissensbereiche unterscheiden sich je nach Gedächtnistyp, Wissensinhalt im Speicherort unseres Gehirns:

  • Das motorisch-prozedurale Gedächtnis, das Fertigkeiten und zugehörige Handlungsabläufe in den Basalganglien und im Kleinhirn speichert,
  • Das episodische und das semantische Gedächtnis, das Orte und Handlungen sowie sprachliche, also bewusstseinsfähige Inhalte in der rechten und linken Sphäre des Großhirns speichert,
  • und das emotionale Gedächtnis, das emotional-motivationale Wertungen im Thalamus und der Amygdala speichert.

Was ist Wissen – der Unterschied zwischen explizitem und implizitem Wissen

Explizites Wissen (explizit = ausdrücklich, ausführlich):  Wissen, das sich formal, d.h. in grammatikalischen Sätzen, mathematischen Ausdrücken, technischen Daten, Handbüchern und dergleichen artikulieren lässt und problemlos von einem Menschen zum anderen weitergegeben werden kann.

Explizierbares Wissen lässt sich nach aufwendigen Transformationen, Auswahl wesentlicher Elemente und Vereinfachungen explizit darstellen. Hier kommen Fallstudien ins Spiel.

Viel Spaß beim lebenslangen Lernen und dem Aufbau deines Wissens

Deine Doreen

1 http://www.hdm-stuttgart.de/ifak/medienwissenschaft/wissen_medienereignis/hoerbuch/definition_wissen

2 http://de.wikipedia.org/wiki/Wissen

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