Was ist Wissen?

Was ist Wissen im Ursprung

Was ist Wissen in seinen Wurzeln? Der Ausdruck ‚Wissen‘ stammt von althochdeutsch wizzan‘ bzw. der indogermanischen Perfektform *woida ,ich habe gesehen‘, somit auch ,ich weiß‘; von der indogermanischen Wurzel *weid- leiten sich auch lateinisch videre ,sehen‘ und Sanskrit veda ,Wissen‘ ab.

  • Deklaratives Wissen (=wissen dass)
  • Prozedurales Wissen (=wissen wie)

Eine weitere Definition von Wissen aus der Medienwissenschaft:

Die Basis für das Wissen bilden Informationen und Regeln (vgl. Meyers Lexikon online 2007). Eine Information kann aus der Vermittlung eines bestimmten Sachverhaltes oder der reinen Kommunikation einer Nachricht bestehen. Aufgrund von persönlichen Erfahrungen und im Zuge der eigenen Meinungsbildung wird sie bezüglich ihrer Wichtigkeit bewertet. Wird sie als wichtig und relevant eingestuft, so wird sie nachhaltig gespeichert und kann im Alltagsleben und täglichen Handeln angewandt werden. Unwichtige Informationen werden zwar kurzfristig gespeichert, dienen aber nicht der Wissensvermehrung. Die Fähigkeit, das gespeicherte Wissen anzuwenden, wird Kompetenz genannt.

Und um auch Wikipedia zu zitieren:

Wissen wird in der Erkenntnistheorie traditionell als wahre und gerechtfertigte Meinung bestimmt. Generell wird Wissen als ein für Personen oder Gruppen verfügbarer Bestand von Fakten, Theorien und Regeln verstanden, die sich durch den größtmöglichen Grad an Gewissheit auszeichnen, so dass von ihrer Gültigkeit bzw. Wahrheit ausgegangen wird. Paradoxerweise können daher als Wissen deklarierte Sachverhaltsbeschreibungen wahr oder falsch, vollständig oder unvollständig sein.

Was ist Wissen aus Sicht der Kompetenzforschung

Erpenbeck und Sauter definieren den „Wissensbegriff“ im engeren Sinne: Regeln, Werte und Normen, Emotionen und Motivation ausschließenden Sinne. Und im weiteren Sinne, alle Bewusstseinsresultate, auch die vagen, wertenden wie Glauben und Meinen, und die damit verbundenen Emotionen und Motivationen einschließend. Diese beiden Begriffe laufen oft über- und ineinander.

Das Management von Wissen im engeren Sinne läuft z.B. auf ein Informationsmanagement hinaus. Das Management von Wissen im weiteren Sinne ist in der Regel mit einem Kompetenzmanagement identisch.

Was ist Wissen aus Sicht der Philosophie und Wissenschaftstheorie

Die Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie beschreibt „Wissen“ – ist ebenso wie Erkenntnis und diesem Begriff verbundenen Unterscheidungen:

  • im weiteren Sinne eine Bezeichnung für allgemein verfügbare Orientierungen im Rahmen alltäglicher Handlungs- und Sachzusammenhänge (Alltagswissen),
  • im engeren, philosophischen und wissenschaftlichen Sinne für die auf Begründungen bezogene und strengen Überprüfungspostulaten unterliegende Kenntnis, institutionalisiert im Rahmen der Wissenschaft. Damit unterscheidet sich dieser Begriff von Meinen (Meinung) und Glauben (Glaube).

Wie Wissen angewandt wird

wird benutzt, wenn erklärt wird, das Wissen das Ergebnis der Verarbeitung von Informationen durch das Bewusstsein ist und  als verstandene Information bezeichnet wird. Wissen ist die Vernetzung von Informationen, welche es dem Wissensträger ermöglicht, Handlungsvermögen aufzubauen und Aktionen in Gang zu setzen. Wissen ist das Resultat einer Verarbeitung der Information durch das Bewusstsein.

Damit gehören zum Wissen im engeren Sinne:

  • Die Kerngegenstände der Logik: Termini, Aussagen und Operatoren
  • Daten: Also Einzelinformation innerhalb umfassender Informationssysteme, die Bezugsinformationen in Gestalt von geordneten Datennetzen und Theorien voraussetzen
  • Informationen: Als kontextbezogen verknüpfte Daten, wobei Kontexte alle explizit fassbaren physischen oder geistigen Dinge, Eigenschaften, Relationen und Prozesse sein können.
  • Sachwissen, Methodenwissen und Kenntnisse.

Der enge Wissensbegriff versteht unter Wissen nur das gleichsam positive Sachwissen von der Wirklichkeit, also Kenntnisse, die von Regeln, Werten, Normen, Kompetenzen und Erfahrungen, von Emotionen und Motivationen strikt abgehoben, gleichsam wertfrei sind.

Wissen im weiteren Sinne

Deutlich auf Wissen im weiteren Sinne bezogen ist dagegen der Hinweis: Wissen entsteht in den Köpfen der Menschen, wo Informationen wahrgenommen, bewertet und mit subjektiven Erfahrungen in Beziehung gesetzt werden.

Die Kognitionsphilosophen Mario Bunge und Ruben Ardila sagen: Wir wissen alles, was wir je gelernt (und nicht vergessen) haben. Das meint auch Fähigkeiten wie gehen, essen, die zwar in Instinkten wurzeln, jedoch geübt und kontrolliert werden müssen, um beherrscht zu werden. Nicht zum Wissen gehören angeborene Reflexe.

Wissensmanagement

Im modernen Wissensmanagement unter anderem auch in Organisationen lässt sich eine Fülle umfassender Versuche kennzeichnen, Wissen in einer so breiten Dimension zu charakterisieren und entsprechende Wissensformen zu differenzieren. Oft wird ein entsprechender Selbstorganisationsansatz – der radikale Konstruktivismus – zum Ausgangspunkt für das Verständnis von Wissen und Wissensmanagement gewählt. Davon ausgehend plädieren Reinmann-Rothmeier und Mandl ausdrücklich für eine Höherbewertung von Gefühl, Intuition und Kreativität beim Umgang mit Informationen und Wissen.

Wissen sind im Gedächtnis verankerte Resultate

Guido Franke, die wissenszentrierte Perspektive von Kompetenzen analysierend, stellt fest: Wissen ist ursprünglich immer etwas im Gedächtnis eines Individuum Gespeichertes. Bei dem Wissen handelt es sich um im Gedächtnis eingetragene Resultate psychophyischer Prozesse, insbesondere von sensorischen, motorischen und kognitiven Operationen.

Der Europäische Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement erklärt: „Wissen ist die Kombination von Daten und Informationen unter Einbeziehung von Expertenmeinungen, Fähigkeiten und Erfahrung, mit dem Ergebnis einer verbesserten Entscheidungsfindung. Wissen kann explizit und oder implizit, persönlich und oder kollektiv sein. Mit der berühmten Unterteilung in explizites und implizites Wissen werden Werte in den Wissensbereich hineingeholt, was allerdings die Beschreibung erhöht aber dennoch ihren Realismus.“

Die Arten von Wissen

Die drei grundlegenden Wissensarten nach Franke

Franke geht, eingedenk der enormen Vielgestaltigkeit von Wissen, in der Absicht, eine handlungsrelevante Wissenskategorisierung vorzulegen, von drei grundlegenden Wissensarten aus:

  • Sachwissen: Dinge, Sachverhalte, Ereignisse, Vorgänge, Entwicklungen, Bedingungen, Regel- und Gesetzmäßigkeiten repräsentierend.
  • Motivatorisches Wissen: Eigene Verhaltenstendenzen, Bedürfnisse, Absichten, Wertvorstellungen betreffend.
  • Prozedurales Wissen: Eigene Operationen und Programme unterschiedlicher Komplexität betreffend.

Die Wissensbereiche unterscheiden sich je nach Gedächtnistyp, Wissensinhalt im Speicherort unseres Gehirns:

  • Das motorisch-prozedurale Gedächtnis, das Fertigkeiten und zugehörige Handlungsabläufe in den Basalganglien und im Kleinhirn speichert,
  • Das episodische und das semantische Gedächtnis, das Orte und Handlungen sowie sprachliche, also bewusstseinsfähige Inhalte in der rechten und linken Sphäre des Großhirns speichert,
  • und das emotionale Gedächtnis, das emotional-motivationale Wertungen im Thalamus und der Amygdala speichert.

Was ist Wissen – der Unterschied zwischen explizitem und implizitem Wissen

Explizites Wissen (explizit = ausdrücklich, ausführlich):  Wissen, das sich formal, d.h. in grammatikalischen Sätzen, mathematischen Ausdrücken, technischen Daten, Handbüchern und dergleichen artikulieren lässt und problemlos von einem Menschen zum anderen weitergegeben werden kann.

Explizierbares Wissen lässt sich nach aufwendigen Transformationen, Auswahl wesentlicher Elemente und Vereinfachungen explizit darstellen. Dies wird z.B. im Rahmen von Fallstudien praktiziert.

Implizites Wissen wird durch schwer fassbare Faktoren wie Erfahrungen, Gefühle, persönliche Überzeugungen, Perspektiven und Wertsysteme geprägt. Es zielt auf Momente des Wissens, die nicht oder schwer dokumentierbar, sprachlich artikulierbar und vom Einzelnen ablösbar sind, Implizites Wissen entsteht vielfach im Prozess des Erfahrens, Analysierens, Bewertens und Entscheidens.

Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal

Doreen

 

Quellen:

Erpenbeck, Sauter, Kompetenzentwicklung im Netz, 

Brockhaus 2006, S. 200ff.

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