Wahrheit & Lüge

Wahrheit und Lüge bringen uns in Gewissenskonflikte. Denn Freiheit und Glück gründen sich in der vollen Entfaltung unserer Instinkte. Durch unseren Instinkt wirkt unsere höchste Wahrheit direkt auf unser Bewusstsein ein. Wir fühlen uns eins mit den Dingen.

„In einer Zeit universeller Täuschung ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen.“

George Orwell

Was ist Wahrheit?

Bei Wahrheit denken wir im Allgemeinen an eine Übereinstimmung von Aussagen oder Urteilen mit einem bestimmten Sachverhalt.

Die Frage nach der Wahrheit gehört seit Jahrhunderten zu den Problemen der Philosophie und der Logik und es gibt diverse Theorien dazu. Ein Thema ist z.B. die Definition der Wahrheit selbst und „ob etwas zu Recht „wahr“ ist oder nicht, usw.

Wenn wir tiefer denken, gibt es ja zudem eine subjektive Wirklichkeit bzw. Wahrheit, im Sinne von Wahrnehmungen. In der Psychologie wird die Wahrhaftigkeit bestimmten Werten zugeordnet, die unser Erfüllt sein sichtbar machen. In der Mathematik demonstriert ein Beweis die Wahrheit.

Wahrheit und Bewusstsein

Wir alle neigen dazu mit unserem Bewusstsein zu experimentieren. Dadurch lenken wir die Wahrheit von Zeit zu Zeit von ihrem Ziel ab. Lüge kann somit als eine Wahrheit bezeichnet werden, die von ihrem Ziel abgelenkt wurde.

Trotzdem kann eine Lüge nur begrenzt sein, weil das universelle Bewusstsein jede noch so naive Willkür irgendwann beiseite schiebt. Folglich ist die Lüge am Ende durch ihre Akzeptanz der Wahrheit gewichen.  Alles was wir verdrehen, verkünsteln, übertreiben, ausschmücken oder sogar verunstalten – uns selbst eingeschlossen- kann nicht anders, als irgendwann zum Ausdruck für die Allgemeinheit zu werden.

Die Natur der Wahrheit

Ich denke am Ende liegt es in der Natur der Wahrheit, sich selbst zu erhalten. Der Grund, warum wir nicht Lügen soll(t)en ist letztlich uns deshalb so wichtig, weil wir damit (inneren) Konflikt und (mögliche) Krankheiten (z.B. Depressionen) vermeiden.

Dies gilt auch für jene Lüge, die sich als halbe Wahrheit tarnt. Das heißt, wenn wir Dinge sagen oder tun, die nicht ganz unserer innersten Überzeugung entsprechen oder mit denen wir dann einfach nicht überzeugend wirken. Ein halbes Ja sagen- zum Beispiel- obwohl wir im Herzen ein ganzes Nein meinen. Dieser naive Rausch der Alltagslügen wirkt tief in unseren Körper hinein. Es ist wie mit den Süchten. Nicht der einmalige Fehltritt oder Exzess, sondern die steten, kleinen Dosen des Giftes unbewusst geschluckt, schaffen den unüberwindlichen Zustand des Leids.

Wenn wir selbst zur Lüge werden

Angehäuft mit Lüge und Unwahrheit fällt es dem Körper schwer und schwerer es auszuscheiden, er stumpft ab und wird selbst zur Lüge. Zuletzt entschließt er sich für die Befreiung, den Verfall, weil Unwahrheit nicht bestehen kann.

Eine weitere Knacknuss von Unwahrheit ist, dass sie uns in den Kreis aller anderen Lügner bringt. Es wirkt die Kraft der inneren Verwandtschaft, die uns zu Schwingungsmustern trägt, denen wir mehr Gleichen als ehrlichen Stromkreisen. Gut dran sind die Menschen, die noch wissen, wann sie lügen. Dabei ist die die Lüge an die Erkenntnis gekoppelt, wie die Zecke im Fell der Katze.

Das Wesen von Lüge und Selbsttäuschung

Das Wesen der Lüge ist die Täuschung – inklusive der Selbsttäuschung. Meist in guten Glauben bauen wir uns ein klappriges Gerüst von Selbsttäuschungen in uns auf. Und jene Selbstlügen in uns, die sich dann kaum noch auf den Beinen halten können, düngen wir mit frischem Blut von Halbwahrheiten, etwa so wie wir überzüchtete Pflanzen mit reinen Stämmen kreuzen, weil sie sonst erbarmungslos eingehen würden. Bewusst werden muss dir hier, dass Lüge uns die Sicht in unsere innere Wahrheit versperrt, die aber Voraussetzung für die Äußere ist.

Doch je mehr wir uns bemühen Wahrheit in uns zu leben und sie zu vermehren, dass dennoch so relativ ist wie rund 8. Milliarden Menschen, desto sensibler werden wir gegenüber Unwahrheit und Lüge werden.

Kampf und Ego

So lange ich denken kann, geht es in der Menschheitsgeschichte um Kämpfe, Verteilungskämpfe, Märkte, Geld, Kosten, Gewinne, Ängste zu verlieren, abzusteigen und nicht genügend von dem Kuchen abzubekommen.

Wir leben den ewigen Hunger nach mehr, wir dürsten nach Einsichten und Verständnis. Oder dreht sich die Welt nur darum das Ego satt zu kriegen?

Wir müssen alle immer schneller mit, keiner hat mehr Zeit. Wenn wir aber nicht aufpassen, wird diese Hast wird uns erdrücken, denn sie ist ein Schwerverbrecher und gehört hinter Gitter.

Raubritter der Zeit

Viele von uns fühlen es schon lange, andere haben die Augen davor noch verschlossen, doch wir haben uns eigene Raubarmeen gezüchtet, wir wurden zu Raubrittern unserer Lebenszeit.

Ja wir sind in Veränderung. Es drückt eine finstere Gewalt in unsere satte Welt. Wir verdrängen es so gut es geht, doch sie ist da und wir kriegen sie nicht mehr los. Deutschland und der Rest der Welt ist Lügenmüde geworden, nach hundert Jahren technischer Revolution, sehen wir uns nach Wahrheit. Unser Bewusstsein ist noch nicht ganz reif, doch wir spüren die Druckwellen der Veränderungen Tag für Tag ein bisschen mehr. Manche betäuben sich noch, machen sich Mut, und sehen sich das Glas halb voll, doch wohlfühlen tun sie sich nicht dabei. Wir wollen Wahrheit und Sinnhaftigkeit in allem was wir tun sehen.

Wahrheit, Gewissen und Pflicht

Denn ganz tief da drinnen in uns gibt immer eine Stimme die uns Angst macht, unser Gewissen. Und genau das ist gut so, denn es hilft uns den Abstieg zu ertragen.

Angst im Gewissen macht vor Grenzen nicht halt, sie ist tückisch, sie kann nicht eingesperrt werden, sie dringt in uns ein, durch Augen und Ohren ins Herz, in Leber, Galle und Magen bis sie heimlich jede Zelle befällt. Doch wir können sie nicht ausschwitzen, wie Zwiebeln oder Knoblauch, selbst bei täglicher Sauna nicht.

Wir leben in Angst und Sorge und erfüllen trotzdem unsere Pflicht. Uns ist nicht bewusst, dass diese Angst uns unter anderem medial eingeimpft wurde, durch diverse Kriegsschauplätze und die vielen Keimherde dieser Welt. Und gegen diese unsichtbare Viren der Angst, die durch Pupille und Trommelfell in uns eindrangen, müssen wir lernen eigene Antikörper zu entwickeln. Doch Nebenwirkungen haben viele von uns stumm gemacht.

Kann man vor der Wahrheit davonlaufen?

Überall auf der Welt gehen die Menschen auf die Barrikaden, nur hier schluckt die Masse treuredlich sein noch Schicksal. Doch damit laufen sie am Ende vor sich selbst davon.

Erschöpft vom Mob des Hohns versinke ich oft mit den tausend Gesichtern der Außenwelt in meine Gedankenwelt. Mein nimmermüder Geist, der unstillbare Hunger, den Geheimnissen des Lebens auf die Schliche zu kommen ist aufgepeitscht und erregt mich täglich aufs Neue.

Gibt es diese denn diese Geheimnisse? Ja, sie gibt es und sie liegen jenseits von Hast und Speed, sie liegen in der Reduktion auf das Wesentliche, in einer Entwicklung, die man nicht beschleunigen muss, sondern die sich nach einem regen Leben zwangsläufig einstellt.

Was uns glücklich und Wahrhaftig macht

Inzwischen sehe ich klarer, ich weiß was wichtig ist. Es sind die banalen Dinge die den Sinn ausmachen, eine Berührung, die Harmonie des Schweigens, der warme Körper eines geliebten, vertrauten Menschen, die schützende Umarmung in der Nacht ebenso, wie der liebwerte Fremde in der Ferne, der einem ein Lächeln schenkt.

Aber unverdrossen immer und immer wieder schnüren die Menschen die Köfferchen und pilgern in die äußere Welt, um ihre Aufgaben in Empfang zu nehmen und zugleich das zeitliche Gruseln zu lernen.

Diese Reisen zeigen uns das Gegenüber, einen Spiegel, doch nie ganz uns selbst, doch wahrscheinlich machen sie eben deshalb „nur den Traum“ vom Glück aus.

Es ist einfach die Wahrheit, und unser Bedürfnis zur Selbstverwirklichung, die das Grundfundament des Lebens ist, aber für uns einfältige Menschenwesen ist es scheinbar nur das individuell Wahrnehmbare.

Der Weg ist denkbar einfach. Nach wahren Gedanken verlangen und nach der Kraft, sie glauben zu können, ganz nach der Parabel von Max Frisch: Die beste „Tarnung“ ist immer noch, die nackte, blanke Wahrheit, die glaubt niemand.

Deine Doreen

Schreibe einen Kommentar