Warum ist gute Kommunikation wichtig?

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Auch in der digitalen Welt dreht sich alles um gute Kommunikation. Deshalb möchte ich heute beleuchten was Kommunikation überhaupt ist, um am daraus abzuleiten was eine Kommunikation ausmacht und warum sie wichtig ist.

Was gute Kommunikation ist?

Wenn einer einem anderen etwas vermitteln will – so glaubt er – in passenden Worten und anderen Zeichen formuliert, ein anderer das so versteht, wie es in seinen Gedanken – und seine Erlebenswelt passt und beide davon ausgehen, dass jeder die formulierten Zeichen „richtig“ verstanden hat.

Manchmal trifft das auch zu – doch in der Regel stimmt nicht ganz überein, was sich der eine beim Formulieren und der andere beim Verstehen gedacht bzw. verstanden hat.

Oft stellt dies kein größeres Problem dar: Solange Menschen sich verstanden fühlen und ihre Ziele erreicht sehen, fällt das unterschiedliche Verständnis von Worten bzw. Aussagen nicht besonders auf.

Kommunikation ist ein Werkzeug

Menschen handeln, um Ziele zu erreichen. Wenn wir sicherstellen wollen, dass wir unsere Ziele erreichen, ist es wichtig, dass wir wissen, wie wir welche Ziele erreichen können.

Hierzu müssen wir zwei Arten von Zielen unterscheiden:

  • …solche, die wir alleine erreichen können.
  • …und solche, die wir nur gemeinsam erreichen können

Für den zweiten Fall sind wir darauf angewiesen, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Wenn wir nicht gehörlos sind, benutzen wir dafür in der Regel und überwiegend unsere Sprache. Andere Signale oder Zeichen, d.h. nicht-verbale Äußerungen, unterstützen uns dabei, unser Ziel zu erreichen. Sie dienen uns als Werkzeuge und Hilfsmittel auf dem Weg zu unserem Ziel.

Wie im wirklichen Leben müssen wir aber auch lernen, das Werkzeug richtig zu benutzen. Wenn wir nicht genau wissen wie, dann erreichen wir unser Ziel nicht oder allenfalls zufällig.

Der Gebrauch der meisten Werkzeuge wird von Kindheit an geübt. Auch die Werkzeuge der Kommunikation. Dennoch sollten wir gelegentlich darüber nachdenken, wie wir sie einsetzen und wie wir sie optimieren können. Wir müssen überlegen, wie wir Sprache benutzen, welche Worte und andere Zeichen wir wählen und wann wir sie wie einsetzen.

Gute Kommunikation verläuft routiniert

Kommunikative Handlungen können nicht immer in vollem Bewusstsein, d.h. mit durchgängiger Kontrolle ausgeführt werden – wir würden handlungsunfähig, wenn nicht sogar verrückt werden, wenn wir vor jeder Aussage genau überlegen müssten, was wir wie vermitteln. Empfohlener Beitrag: Bewusstes Personal Branding mit dem Goldenen Kreis.

„Wir können nicht nicht-kommunizieren!“ Paul Watzlawick

Wir können es deswegen nicht, weil wir auch Informationen übermitteln, ohne ein Wort zu sprechen. Auch unser ‚Schweigen‘ sagt etwas aus: Wenn ich nichts sage, so verhalte ich mich doch in Raum und Zeit, bewege mich auf eine bestimmte Weise und sende damit kontinuierlich irgendwelche Signale aus, die mein Gegenüber als bedeutsam, d.h. als Zeichen auffassen kann. Selbst wenn ich mit jemandem nicht reden will und schweige, spricht mein Schweigen Bände: Es sagt möglicherweise „ich will mit dir nicht reden“, aus welchem Grund auch immer. All das können wir nicht total unter Kontrolle haben.
Einerseits handeln wir, wenn wir kommunizieren, wir agieren also bewusst; andererseits aber können wir selbst diese bewussten Handlungen nicht immer ganz kontrollieren.

Gute Kommunikation ist zielgerichtet und strategisch

Menschen sind zielgerichtete Wesen – sie handeln, um bestimmte Ziele zu erreichen. Das Bewusstsein über unsere Ziele und die Fähigkeit zum Entwerfen von Handlungsalternativen ermöglicht es uns, bewusst Wege zu wählen und Mittel einzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen.

So können wir zum Beispiel bewusst die Art und Weise auswählen, wie wir uns neues Wissen aneignen. 

Beispiel für Ziele in der Kommunikation

Wenn du wenig Zeit hast wirst du nicht sofort in die Bibliothek laufen um nach einer Literaturquelle zu einem Thema zu suchen. Vermutlich wirst du erst einmal versuchen, via Google oder anderer Suchmaschinen „schnell“ einen Überblick zu verschaffen. Oder du entscheidest dich eine Kollegin anzurufen von der du weißt,  dass sie kürzlich auf einem Kongress zu deinem gebrauchten Thema war. Du hoffest dass sie dir ein paar hilfreiche Tipps geben kann.

Sinn und Zweck der Kommunikation

Auch Kommunikation verläuft nach diesem Prinzip. Wir überlegen uns zB. eine Digitale Strategie, mit der wir am schnellsten unser Ziel erreichen.

Daraus folgern moderne Rhetorikforscher:

Bewusste Kommunikation ist immer überzeugende bzw. überredende (persuasive) Kommunikation und hat mit Aufmerksamkeit zu tun. (Kommunikation, die auf die Beeinflussung von Meinungen, Wertvorstellungen, Denkweisen oder Handlungen von Rezipienten ausgerichtet ist. Für manche Theoretiker ist ‚Kommunikation‘ insgesamt persuasiv. Zur Begründung s. z.B. das Nachrichtenquadrat von F. Schulz von Thun.

Warum wir in der Kommunikation auf andere angewiesen sind

Wenn wir nun aber für die Umsetzung unserer Ziele auf andere angewiesen sind, wenn wir sie dazu bringen wollen etwas in unserem Sinne zu tun, müssen wir klug kommunizieren.

Da gibt es jedoch ein kleines Problem: Wir legen anderen nämlich nicht immer offen, welche Ziele wir verfolgen und / oder auf welche vorab geplante Art und Weise, d.h. mit welcher Strategie wir unser Ziel erreichen wollen.

Das bedeutet, dass du deiner Kollegin nicht unbedingt sagen wirst:

„Ich rufe dich an, weil ich von dir am schnellsten die Informationen bekommen kann, die ich gerade dringend brauche“.

Stattdessen wirst du wohl eher sagen:

„Ich wollte dich schon lange anrufen und fragen, wie es dir geht. Und ich wollte mich nach dem Kongress erkundigen, bei dem du warst“.

Die Missverständnisse in der Kommunikation

Das heißt, wir ticken so, dass unser Gegenüber nicht unbedingt bis ins Kleinste erfahren soll, was wir (eigentlich) von ihnen wollen. Genauso wenig können wir als Zuhörer wissen, mit welchem Ziel und im Rahmen welcher Strategie jemand anderes etwas sagt, was er sagt. Auch das verwendete Handwerkszeug der Kommunikation gibt uns nicht notwendigerweise einen Hinweis darauf:

Dass du deine Kollegin über den Kongress ausfragst, muss sie nicht vermuten lassen, dass du nicht weißt, wie man in der Bibliothek recherchiert. Und: Wenn du deiner  Kollegin nicht sagst, dass du extra wegen der Kongressinformationen anrufst, heißt das nicht, dass du sich nicht auch freust, mit ihr zu sprechen.

Hier die Strategie für deine eigenen kommunikativen Handlungen

Überlege dir stets zuerst was du erreichen willst und wie du es am besten erreichen kannst. Überlege im zweiten Schritt, was davon du deinem Gegenüber sagen willst und wie du das machen willst.

Hier die Strategie für den Umgang mit Gesprächspartnern

Du darfst ruhig etwas skeptisch sein! Nicht immer verrät uns der Gesprächspartner genau dass, was er mit seinen Worten beabsichtigt. Und nicht immer beabsichtigt er das, was er mit seinen Worten ausdrückt!

Erfolgreiche Kommunikation ist empfängerorientiert

Wenn du erfolgreich mit anderen kommunizieren willst, musst du dich inhaltlich und formal auf diejenigen einstellen, mit denen du kommunizieren willst. Du musst dich in deinem Zeichengebrauch und in deinen Aussagen darauf einstellen. Tust du das nicht, wirst du bald an deinen Zuhörern vorbeireden. Sie hören dann nicht mehr zu oder noch schlimmer, sie verlassen das Gespräch.

Die Rollen der Kommunikation

Jede Kommunikationssituation besteht aus zwei Agierenden: dem Redner und dem Zuhörer. Das ist jedoch ein Wechselprozess – im Laufe eines Gesprächs wechseln die Rollen ständig.

K= Kommunikator (Sprechender)

R= Rezipient (Zuhörer)

Bei kommunikativen Prozessen ist es deshalb wichtig, sich auf das Gegenüber einzustellen. Versuche die Tatsache der möglichen unterschiedlichen „Sozialisierung“ von Zuhörer und Sprecher zu berücksichtigen und dich möglichst auf deinen Gesprächspartner einzustellen.

Wenn du dich schnell auf die Wellenlänge deines Gesprächspartners einstellen kannst, weißt du sofort, welches Kommunikationsverhalten angemessen ist und wie du die richtigen Worte finden kannst, um das Interesse beim Gesprächspartner zu wecken und aufrecht zu erhalten.

Was du in einer guten Kommunikation berücksichtigen musst

Insbesondere bei Reden vor größeren Gruppen solltest du folgende vier Aspekte in deinen kommunikativen Überlegungen berücksichtigen:

Die Beziehung:

  • Welche Beziehung haben die Zuhörer zum Thema?
  • Welche zu dir als Person? (Vorkenntnisse, Relevanz, Einstellung)

Die Gewohnheiten

  • Welche Gewohnheiten haben die Zuhörer in Bezug auf Kommunikation?
    (Übung im Zuhören, grammatische Kompetenz, Wortschatz)

Die Befindlichkeiten

  • Was sind Befindlichkeiten der Zuhörer? (Stimmung, freiwilliges oder erzwungenes Zuhören, Anzahl der Personen, Homogenität der Gruppe, „Minimalkonsens“)

Die Eigenschaften

Was sind die typischen Eigenschaften der Zuhörer, auf die du dich einstellen musst, um mit deinen Ausführungen möglichst diesen Erwartungen entgegenzukommen?
(Wertvorstellung, Berufe, Interessengebiete, politische Standpunkte, Geschlecht, Altersstruktur, Bildungs-/ Gesellschaftsschicht)

Erst von diesen Vorüberlegungen ausgehend kannst du überlegen, was du sagen willst und wie du es sagen willst. Denn wenn deine Zuhörer nicht verstehen, was du mit deinen Zeichen vermitteln willst, hast du keinerlei Aussicht auf Erfolg. Nur dann, wenn die Angesprochenen verstehen und auch akzeptieren, was du vermitteln wirst, werden sie möglicherweise in deinem Sinne handeln.

So mag es sein, dass du in gewissen Situationen deinem Gegenüber gar nicht die Argumente vorbringst, die für sie persönlich die größte Überzeugungskraft haben würden. Aber um dein Ziel zu erreichen, solltest du versuchen „im Sinne“ der Gesprächspartner zu argumentieren. Rede deshalb Zuhörer-orientiert!

Gute Kommunikation ist kontextabhängig

Kommunikation findet nicht im luftleeren Raum statt. Um all die Umstände zu erfassen, die eine konkrete kommunikative Handlung mitbestimmen, wurden so genannte Kommunikationsschemata entwickelt. In ihnen werden alle Faktoren und ihr Zusammenwirken beschrieben.

Wenn wir miteinander kommunizieren, dann tun wir das immer in einem bestimmten Kontext, aus einem Zusammenhang heraus. Alle unsere Handlungen, unsere Erwartungen und Interpretationen einer kommunikativen Situation werden durch diesen Kontext bestimmt. Er bildet den Rahmen.

Die vier Aspekt die den Kontext in der Kommunikation bestimmen

Und das, was wir einem Gesprächspartner vermitteln und was wir letztendlich verstehen, hängt von vier Aspekten ab:

  • Von der Persönlichkeit der Gesprächspartner
  • der gesellschaftlichen Funktion und Status.
  • dem Wissen und ihren Annahmen über die konkrete kommunikative Situation
  • Kommunikation hat Rollenspielcharakter   

„Wir alle spielen Theater“ lautet der Titel eines Buches des Soziologen Erving Goffman. Seiner Auffassung nach spielen wir in unterschiedlichen Situationen und mit verschiedenen Personen jeweils bestimmte Rollen.

Wir sind nicht die, die wir für die anderen erscheinen, das wissen wir.

  • Doch wann spielen wir eine Rolle?
  • Wie weit gehen wir dabei?
  • Sind wir uns unserer Rolle bewusst?

Viele Menschen sind davon überzeugt, dass sie nicht spielen oder dass sie das sind, was sie „spielen“ und dass das, was sie mit dieser Darstellung produzieren, Realität ist.                  

Kommunikation ist mehrdeutig

Wenn wir etwas sagen, gehen wir im Alltag in der Regel davon aus, dass wir damit diese eine Sache meinen und unser Gegenüber auch diese eine gemeinte Sache versteht. Diese Annahme ist zwar naheliegend, aber – wie wir gleich sehen werden – falsch: Wenn wir etwas sagen, sprechen wir nicht nur ein Thema an, sondern teilen gleichzeitig etwas mit.

Sie sitzen z.B. im Seminar und sagen: „Das ist aber wirklich irre heiß heute!“

  • Sachaussage: „Es ist heiß heute.“
  • Dann wird möglicherweise Irgendjemand aufstehen und das Fenster öffnen.
  • Appellaussage: „Kann nicht jemand das Fenster öffnen?“
  • Vielleicht sagt auch jemand: „Dann mach doch das Fenster auf!“
  • (versteckte) Selbstkundgabe: „Ich leide unter der Hitze.“
  • Oder ein anderer mag sagen: „Ja, mach das Fenster doch selbst zu und kommandiere uns nicht herum!“
  • (versteckte) Beziehungsaussage „Ich leide und das geht euch etwas an.“

Das Nachrichtenquadrat von Schulz von Thun

Diese vier möglichen Arten der Interpretation von Aussagen nennt Schulz von Thun das Nachrichtenquadrat.

„Aber das habe ich doch gar nicht gemeint!“ ist eine häufige Reaktion auf Kommentare wie im obigen Beispiel – und das stimmt durchaus! Du musst nicht überlegt haben, was du alles mit einer Aussage meinen könntest. Und es kann sogar sein, dass du dir gar nichts bei der Aussage „das ist aber irre heiß heute“ gedacht hast.

Doch dummerweise gehören zur Kommunikation immer alle Beteiligten und die anderen Beteiligten denken sich (auch unbewusst irgendwie), was du wohl mit deiner Aussage gemeint haben könntest.

Es gibt Menschen, die haben besonders ihr „Beziehungsohr offen“ – diese werden sich vielleicht beklagen, was du dir eigentlich denkst. Und es gibt solche, die ihr „Appellohr offen haben“, und schon losgelaufen sein, um dir was Gutes zu tun, bevor ihnen überhaupt klar ist, was du überhaupt gerade willst (teilweise, um dir nachher Vorwürfe zu machen, dass du nicht dankbar genug für ihre erwiesenen Wohltaten bist).

Wir gehen als Zuhörende wie als Sprechende oft nur vom Sachinhalt einer Aussage aus. Es heißt, Männer noch mehr als Frauen. Das führt, wie das Beispiel zeigt, häufig zu Missverständnissen und im Ernstfall sogar zu filmreifen Streitereien oder zu lang schwelenden und irgendwann eskalierenden Missstimmungen.

Wenn du das vermeiden willst, achte darauf, was andere möglicherweise sonst noch in deinen Aussagen hören könnten. Gib so wenig wie möglich Anlass für Spekulationen über das, was du gemeint haben könntest!

Ein Hilfsmittel beim Analysieren

  • Der Sachinhalt wird oft verbal vermittelt, d.h. mit Worten, Sätzen oder Texten.
  • Appellaussage, Beziehungsaussage und Selbstkundgabe werden häufig ‚indirekt‘ vermittelt (implizit) und mit Hilfe von Zeichen aus anderen Zeichensystemen der Kommunikation geäußert.

Gute Kommunikation ist argumentativ strukturiert

Wir bekommen nicht nur viel Informationen über andere Kanäle als rein verbal vermittelt, sondern zusätzlich wird uns bei den verbalen Aussagen eine ganze Menge verschwiegen.

Dies beruht einerseits darauf, dass jede Äußerung eine Behauptung über die Welt ist, die in Frage gestellt werden kann und vielleicht begründet werden muss. Doch, weil das sehr umständlich wäre, gehen wir meistens davon aus, dass eine Aussage ’stimmt‘.

Andererseits liegt das an der Art und Weise, wie wir notwendigerweise Informationen vermitteln müssen, um nicht jedes Mal die gesamte Weltgeschichte mit zu erzählen. Was wir dann auch nicht tun.

Dazu folgende These

Thomas zu Sabine: „Peter ist kompetent.“

Diese Äußerung gilt als wahr- und zwar genau so lange, bis Sabine sie in Frage stellt:

Nachfrage: Sabine: „Warum?“         

Jetzt muss Thomas seine Äußerung begründen:

Begründung

Thomas: „Peter ist Wissenschaftler.“

Mit seiner Begründung hat Thomas eine weitere Äußerung vorausgesetzt, die er aber nicht ausgesprochen hat.

Schlussregel

„Alle Wissenschaftler sind kompetent.“       

Nun gilt diese Äußerung als wahr – genau so lange, bis Sabine entweder die ausgesprochene Begründung in Frage stellt, nämlich dass Peter Wissenschaftler ist.

Infragestellung

Sabine: „Dieser Trottel weiß doch noch nicht mal, wie man ein Buch richtig herum hält!“

…oder aber, bis sie die unausgesprochene Voraussetzung für die Gültigkeit der Begründung (im Fachjargon: Präsupposition) in Frage stellt, nämlich die, dass alle Wissenschaftler kompetent sind…

Infragestellung

Sabine: „Wer hat dir denn das Märchen erzählt, dass alle Wissenschaftler kompetent sind? Denk doch nur mal an den Müller, der hat von nichts eine Ahnung!“

Wie du siehst: Unausgesprochene Begründungen können hinterfragt werden. Nicht ausgesprochen werden z.B. geltende Meinungen, sichere Fakten, logische Ableitungsformen etc., insbesondere die Schlussregeln (z.B. „wenn… dann…“ oder „alle… sind…“) oder nicht hinreichend plausible Begründungen. Also gut zuhören und im Zweifelsfall nachfragen!

Kommunikation benutzt mehrere Kanäle

Nicht nur die sprachlichen Äußerungen tragen zur Übermittlung der Information bei, sondern auch alle anderen Zeichen, die unter den Gesprächspartnern über verschiedene Kanäle ausgetauscht werden.

Dabei trennt man

  • das Zeichensystem „Sprache“
  • von den nichtverbalen Systemen
  • dem Zeichensystem „Intonation“ und
  • dem nonverbalen Zeichensystem

Nichtverbale Zeichen können Kommunikation erheblich erleichtern, indem sie Gesagtes unterstreichen oder neue Informationen zusätzlich zum Gesagten liefern:

Wenn du dich zB. im Dialog zurücklehnst und Geräusche der Zustimmung von dir gibst („hmm“), signalisierst du der anderen Seite, dass du gut zugehört-, und gern noch mehr hören willst.

Wägst du zB. Argumente ab und benutzt dabei nicht nur die Worte „einerseits, andererseits, und aber“ sagt, sondern unterstützt das noch mit einer Geste nach links und nach rechts machst du damit noch deutlicher, dass es hier zwei sich widersprechende Argumente zu bedenken gibt.

Und wenn du jemanden mit gehobenem Kopf, einem Lächeln im Gesicht und leicht ausgebreiteten Armen mit nach oben gerichteten Handflächen begrüßt, sagst du auch nonverbal „Herzlich Willkommen“.

Wann nonverbale Kommunikation hinderlich ist

Nonverbale Zeichen können aber auch hinderlich für gute Kommunikation sein, vor allem dann, wenn sie anderes vermitteln als die betreffende Person gerade sagt:

  • Wer eigentlich zuhören sollte, weil ein anderer gerade spricht, doch dabei auf dem Stuhl umher rutscht, den Oberkörper vorgebeugt, immer wieder tief einatmet und ansatzweise den Arm hebt, dessen Gegenüber wird bald aufhören zu sprechen, da diese Zeichen bedeuten „ich will auch endlich was sagen“.
  • Wenn jemand während des Sprechens ununterbrochen mit extremen Bewegungen gestikuliert, dem wird man bald nur noch erstaunt zusehen und dabei gar nicht mehr dazu kommen, den verbalen Ausführungen zu lauschen.
  • Und wenn jemand mit vor dem Oberkörper verschränkten Armen in der Tür steht, zum Fenster schaut und mit monotoner Stimme sagt „Das ist aber schön, dass du da bist“, dessen Gast wird sich mit Sicherheit erst einmal nicht herzlich willkommen fühlen.

Sprüche die nonverbale Zeichensysteme unterstützen

Im Volksmund gibt es viele Sprüche, die die Wichtigkeit der nonverbalen Zeichensysteme unterstützen:

  •  „Der Ton macht die Musik“ (Artikulation)
  •  „Wenn Blicke töten könnten“ (Blick(-kontakt))
  •  „Der sieht aus wie sieben Tage Regenwetter“ (Mimik)
  •  „Die steht da wie ein begossener Pudel“ („Körpersprache“)
  •  „graue Maus“ (Gesamteindruck: Kleidung + Körperhaltung + …)

All diese Sprichwörter zeigen, dass nonverbale Zeichen den Verlauf einer Kommunikation meist mehr bestimmen als die verbalen.

Kommunikation ist geschlechtsspezifisch

Frauen kommunizieren typischerweise anders als Männer.

„Du verstehst mich einfach nicht.“

„Du hörst mir eben nie zu.“ oder

„Das hab ich doch gar nicht gesagt.“

Sätze wie diese sind uns allen wohlbekannt. Deborah Tannen hat diese Sätze zum Ausgangspunkt ihrer soziolinguistischen Untersuchungen gemacht. In ihrem ersten Bestseller („You just don´t understand me“) analysiert sie das Gesprächsverhalten von Männern und Frauen im Alltag und Beruf. Sie kommt dabei zu dem Schluss, dass die Kommunikation zwischen den Geschlechtern meistens einen ‚rituellen‘ Charakter hat.

Auch Erving Goffman erkannte diese rituelle Natur und weist darauf hin, dass wir etwas geschlechtsspezifisch sagen, obwohl wir geschlechtsklassenspezifisch meinen. Wenn jemand sagt, dass das Kommunikationsverhalten ‚geschlechtsspezifisch‘ sei, so schließt man oft voreilig daraus, dass dieses Verhalten für jedes Mitglied seiner Gruppe gelte, dass es Teil seines Geschlechts sei. Aber jeder von uns kennt auch Frauen, die sich männlicher verhalten als Männer und umgekehrt. Um eine ‚genetische Verquickung‘ kann es daher nicht gehen.

Die in der Überschrift formulierte Aussage bedeutet also lediglich, dass ein großer Prozentsatz von Frauen oder Männern typischerweise ’so reden‘. Dass einzelne Personen dem mit ihrem Geschlecht assoziierten Muster nicht immer entsprechen, bedeutet nicht, dass das Muster nicht typisch ist.

Probleme durch missverstandene Metakommunikation

Viele Probleme gehen zu Lasten einer missverstandenen Metakommunikation, die auf den unterschiedlichen Bedürfnissen und Einstellungen der Gesprächspartner beruhen und von dem jeweils anderen nicht wahrgenommen bzw. anders interpretiert werden. Es ist, als ob zwei fremde Kulturen aufeinandertreffen.

Daniel Maltz und Ruth Borker sprechen von sogenannten ‚kommunikativen Fehlschlägen‘, die Missverständnisse erzeugen, die denen interkultureller Begegnungen ähnlich sind.

Dr. Elisabeth Schwarzhaupt, 1961 – 1966 Bundesministerin für das Gesundheitswesen in Deutschland, charakterisiert ihre Gefühle als einzige Frau in einem Kabinett von Männern wie folgt:

„Als Frau habe ich oft in einem Kreis von Männern das Gefühl, man spreche eine Fremdsprache, eine Sprache, die ich gelernt habe, die ich verstehe und spreche, aber eben nicht ganz meine eigene. Wenn ich dagegen in einem Kreis von Frauen bin, z. B. im Vorstand eines Frauenverbandes, in dem der Verlauf von Aussprachen kaum ein anderer ist, in dem ungefähr die gleichen Regeln gelten, ähnliche Themen behandelt werden, fühle ich mich mehr zu Hause. In einer schwer zu beschreibenden Weise ist man als Frau in einem Gremium von Männern in der Fremde. In der Politik geht es um Macht, oft um Kampf. Vielleicht haben wir Frauen ein anderes Verhältnis zur Macht und zum Kämpfen. Ich sage: ‚Vielleicht‘, denn ich weiß nicht, wieweit meine Erfahrung individuell ist und wie weit sie für die Mehrheit der Frauen gilt.“ (Metzler)

Zusammenfassung, was gute Kommunikation ist

1. Gute Kommunikation ist, wenn

einer einem anderen etwas vermitteln will – so glaubt er – in passenden Worten und anderen Zeichen formuliert, ein anderer das so versteht, wie es in seinen Gedanken – und seine Erlebenswelt passt und beide davon ausgehen, dass jeder die formulierten Zeichen „richtig“ verstanden hat.

2. Gute Kommunikation ist ein Werkzeug

Bei dem Menschen handeln, um Ziele zu erreichen. Wenn wir sicherstellen wollen, dass wir unsere Ziele erreichen, ist es wichtig, dass wir wissen, wie wir welche Ziele erreichen können.

Hierzu müssen wir zwei Arten von Zielen unterscheiden:

  • …solche, die wir alleine erreichen können.
  • …und solche, die wir nur gemeinsam erreichen können

3. Gute Kommunikation verläuft routiniert

Kommunikative Handlungen können nicht immer in vollem Bewusstsein, d.h. mit durchgängiger Kontrolle ausgeführt werden – wir würden handlungsunfähig, wenn nicht sogar verrückt werden, wenn wir vor jeder Aussage genau überlegen müssten, was wir wie vermitteln. Was zu der Erkenntnis Watzlawicks führt: „Wir können nicht nicht-kommunizieren!

4. Gute Kommunikation ist zielgerichtet und strategisch

Menschen sind zielgerichtete Wesen – sie handeln, um bestimmte Ziele zu erreichen. Das Bewusstsein über unsere Ziele und die Fähigkeit zum Entwerfen von Handlungsalternativen ermöglicht es uns, bewusst Wege zu wählen und Mittel einzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen.

So können wir zum Beispiel bewusst die Art und Weise auswählen, wie wir uns neues Wissen aneignen.

5. Gute Kommunikation ist empfängerorientiert

Wenn du erfolgreich mit anderen kommunizieren willst, musst du dich inhaltlich und formal auf diejenigen einstellen, mit denen du kommunizieren willst. Du musst dich in deinem Zeichengebrauch und in deinen Aussagen darauf einstellen. Tust du das nicht, wirst du bald an deinen Zuhörern vorbeireden. Sie hören dann nicht mehr zu oder noch schlimmer, sie verlassen das Gespräch

6. Gute Kommunikation ist kontextabhängig

Kommunikation findet nicht im luftleeren Raum statt. Wenn wir miteinander reden, dann tun wir das immer in einem bestimmten Kontext, aus einem Zusammenhang heraus. Alle unsere Handlungen, unsere Erwartungen und Interpretationen einer kommunikativen Situation werden durch diesen Kontext bestimmt, der von folgenden vier Aspekten abhängt:

  • von der Persönlichkeit der Gesprächspartner
  • der gesellschaftlichen Funktion/ institutionellen Status
  • dem Wissen und Annahmen über die konkrete kommunikative Situation
  • Kommunikation hat Rollenspielcharakter   

7. Kommunikation ist mehrdeutig

Wenn wir etwas sagen, sprechen wir nicht nur ein Thema an, sondern teilen gleichzeitig etwas mit. Deshalb gib so wenig wie möglich Anlass für Spekulationen über das, was du gemeint haben könntest

8. Gute Kommunikation ist argumentativ strukturiert

Wir bekommen nicht nur viel Informationen über andere Kanäle als rein verbal vermittelt, sondern zusätzlich wird uns bei den verbalen Aussagen eine ganze Menge verschwiegen. Unausgesprochene Begründungen können hinterfragt werden. Also gut zuhören und im Zweifelsfall nachfragen

9. Kommunikation benutzt mehrere Kanäle

Nicht nur die sprachlichen Äußerungen tragen zur Übermittlung der Information bei, sondern auch alle anderen Zeichen, die unter den Gesprächspartnern über verschiedene Kanäle ausgetauscht werden. Dabei trennt man

  • das Zeichensystem „Sprache“
  • von den nichtverbalen Systemen
  • dem Zeichensystem „Intonation“ und
  • dem nonverbalen Zeichensystem

10. Kommunikation ist geschlechtsspezifisch

Frauen kommunizieren typischerweise anders als Männer. Die Kommunikation zwischen den Geschlechtern hat meistens einen ‚rituellen‘ Charakter. Es heißt ja auch, Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus.

Am Ende dieses Beitrags möchte ich dir nun noch ein paar Tipps für die grundsätzliche erfolgreiche Kommunikation geben. Sie erfordert:

  • Mentale Stabilität
  • Identifikation mit sich selbst und seinem Produkt oder Angebot
  • Alle Möglichkeiten zu er – kennen! Also Flexibilität
  • Persönliches (Verkäufer-) Know-how (und das Wissen anwenden können > Handlungskompetenz)

Bis zum nächsten Mal

Deine Doreen

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