Bewusstsein und Lernen – ein Mindset für Unternehmer

Die bewusste Auseinandersetzung über die eigenen Lernprozesse ist für Unternehmer ein wichtiger Prozess. Er gehört zu einem grundlegendem Mindset für Unternehmer.

Bewusstsein setzt sich aus Achtsamkeit (awareness) und Achtgeben (attention) zusammen.

Es entspricht weitgehend der Achtsamkeit/Gewahrsein im Buddhismus. Das bewusste und gelassene Erleben innerer wie äußerer Abläufe.

Jeder unserer Sinne (Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist) hat ein eigenes Bewusstsein. Bewusstsein ist die Fähigkeit, Sinnesdaten wahrzunehmen und zu deuten.

Der Schlüssel der Bewusstseinsbildung

Ich-Bewusstsein und personale Identität bilden den Hintergrund des auf innere oder äußere Geschehnisse gerichteten Wahrnehmens, Denkens, Fühlens, Erinnerns, Vorstellens (Roth).

Das kommt es dem nahe, was in der spirituellen und meditativen Praxis als „Aufmerksamkeit“ (awareness) verstanden wird: sich in Selbstbeobachtung begreifen, wäre eine konstruktivistische Sichtweise von (Selbst-) Bewusstsein.

Sich selbst beobachten und erkennen ist, was die praktische Seite angeht, der Schlüssel der Bewusstseinsbildung.

Dies deckt sich wohl nicht zufällig mit der „Lebensweise des Tao“ und des Zen-Buddhismus. Denn das Beobachten der eigenen Gedanken, ohne Stellungnahme, ohne Beurteilung, ohne Wertung. Und damit das Stärken der Fähigkeit, in der Gegenwart zu leben, und Unsicherheit, Furcht, Sorgen zu beherrschen, ist ein wesentliches Merkmal eines guten Unternehmers.

Bewusstsein und Wahrnehmung

Erich Fromm gibt in seinem Essay „Psychoanalyse und Zen-Buddhismus“ mehrere Deutungen von Bewusstsein, die gut zu diesen Gedanken hier passt.

„Bewusst“ und „unbewusst“ sind Zustände des Gewahrseins oder Nichtgewahrseins von Affekten, Wünschen, Urteilen, usw. und nicht als „Teile der Persönlichkeit“ und spezifische Inhalte aufzufassen (Fromm).

So auch Niklas Luhmann: Wahrnehmung ist die zentrale Spezialkompetenz des Bewusstseins.

Bewusstsein ist schließlich kein ausschließlich geistiger Zustand oder mentaler Prozess. Bewusstsein ist integral oder ganzheitlich, und beinhaltet kognitive, körperliche, emotionale und seelische Dimensionen. Höhere Stufen des Bewusstseins erfordern eine zunehmend feinfühligere Integration dieser Dimensionen. Bewusstsein im hier verstandenen Sinn ist also nicht identisch mit bestimmten Vorgängen im Gehirn, sondern eine „Domäne der Beziehungen“ zwischen Menschen.

Bewusstsein und Aufmerksamkeit

Der Grad von Bewusstsein hängt daher mit kommunikativen Kompetenzen zusammen, der Qualität an Aufmerksamkeit, die unsere Sinnesorgane zu leisten vermögen.

Bewusstes Lernen

In welchem Zusammenhang stehen Lernen und Bewusstsein? Lassen sich Kompetenzen bewusst erwerben oder spielt sich Lernen unbewusst ab? Diese Fragen sind schwierig zu beantworten.

Was wir aber beobachten können: in der Trainingspraxis gibt es zahlreiche Versuche, neue Fähigkeiten zu vermitteln, und sie erlernbar zu machen, und oder bestehende Kompetenzen zu vertiefen. Dies schließt bei uns unternehmerische Fähigkeiten ein.

Bewusstsein und Spiritualität

Alle Weltreligionen und spirituellen Lehren gehen von der Möglichkeit einer bewussten Entfaltung des im Menschen angelegten Wachstumspotentials aus. Zahlreiche Erziehungsexperimente (u.a. die Arbeit Rudolf Steiners) stützen diese Vermutungen.

Michael Murphy hat vielfältige Möglichkeiten für die „Entfaltung des menschlichen Potentials im 21. Jahrhundert“ aufgezeigt.

Lehre und Ausbildung von Unternehmern aus „entwicklungstechnischer“ Sicht ist faktisch nicht existent. Und Managerschulen, die vieles lehren, was auch Unternehmern zu lernen vorgeschlagen wird, zeichnen sich nicht durch eine bemerkenswerte Kreativität aus.

Bewusstsein und unternehmerisches Lernen

Der Schlüssel zu unternehmerischem Lernen, ist der Übergang von der ersten zur zweiten Phase, der Sprung in Lernen 3, das bewusste Wahrnehmen von eigener und – als Lehrer und Coach – fremder Inkompetenz.

Lernen ist eingebettet in Beobachtung einschließlich des Selbst. In welcher Phase der Lernprozess einsetzt oder anzuregen wäre, kann dabei offenbleiben.

Wer von seinen Stärken überzeugt ist, kann diese weiter verbessern. Das bedeutet Arbeit in der dritten Entwicklungsphase, der Ausbau des „komparativen Vorteils“. Somit das Weiterentwickeln der vorhandenen Stärken.

Aber kann man sich selbst evolutionieren, ohne sich selbst zu reflektieren? Nein, es ist egal ob jemande seine Schwächen angehen will oder nicht, doch sie zu kennen und zu erfahren ist unverzichtbar für die Weiterentwicklung.

Die vier Phasen des Lernens

  1. Unbewusste Inkompetenz (Lernen 1)
  2. Bewusste Inkompetenz (Lernen 2)
  3. Bewusste Kompetenz (Lernen 3)
  4. Unbewusste Kompetenz (Lernen 4)

1 Unbewusste Inkompetenz

Wir sehen nicht, daß wir nicht sehen, wir hören nicht, daß wir nicht hören, wir wissen nicht, daß wir nicht wissen.

„Weise schauen mit den Augen, sie hören mit den Ohren, sie sprechen mit dem Mund und gehen mit den Füßen. Wahre Menschen nehmen wahr, ohne zu schauen, ohne zu horchen, sie folgen ohne zu gehen, und sie sind fair, ohne zu sprechen“

Laotse

Was Laotse beschreibt, ist der Unterschied zwischen bewusster und unbewusster Kompetenz, die Fähigkeit des Weisen und des Wahren Menschen. Der normale Mensch nimmt nicht wahr, daß er nicht sieht, usw., er denkt, handelt und fühlt bei unbewusster Inkompetenz.

Ein Beispiel: 40 % aller neubesetzten Managementpositionen stellen sich innerhalb von 18 Monaten als Fehlbesetzung heraus. Was verursacht solch eklatantes und kostspieliges Versagen?

Ein Grund scheint das Unvermögen der die Interviews durchführenden Topmanager zu sein, den Bewerbern überhaupt zuzuhören, was sie zu sagen haben.

„Die meisten Führungskräfte halten nicht den Mund und hören nicht zu, sondern dominieren das Gespräch, in dem sie ihr umfangreiches Wissen zu allen möglichen Themen ausbreiten“

Cronin

Sie sind sich ihrer unterentwickelten Fähigkeiten aktiven Zuhörens überhaupt nicht bewusst. Unglücklicherweise hat niemand in der Firma den Mut, dem CEO zu sagen endlich den Mund zu halten und zuzuhören.

Wer ständig spricht, hört nicht, daß er nicht hört. Wer optimiert, merkt nicht, der er nicht innoviert.

Für den Optimierer ist Innovation ein blinder Fleck, wie Zuhören für den Dauersprecher. Er kann dann auch nicht wahrnehmen, daß er nicht hören oder nicht innovieren kann. Er reproduziert unbewusste Inkompetenz.

Bewusstsein und Kraft des Unbewussten

Die Kraft des Unbewussten als Hemmnis der Innovation beschreibt Schumpeter eindringlich:

Immer wieder lenkt der Gedanke in die gewohnte Bahn ein, auch wenn sie unzweckmäßig geworden ist…. Das Wesen und die lebensfördernde kraftsparende Funktion der festen Denkgewohnheiten beruht darauf, dass sie unterbewusst geworden ist, ihre Resultate automatisch liefert und gefeit ist gegen Kritik und selbst den Widerspruch einzelner Tatsachen. Das tut sie und das ist sie aber auch dann, wenn ihre Stunde geschlagen hat, und da wird sie zum Hemmschuh. In der eigenen Brust dessen, der Neues tun will, erheben sich die Elemente der gewohnten Bahn und legen Zeugenschaft ab gegen den werdenden Plan.

Eine neue und andersgeartete Willensaufwendung wird dadurch nötig, außer jener, die schon darin liegt, inmitten der Arbeit und Sorge des Alltags, um Raum und Zeit für Konzeption und Ausarbeitung der neuen Kombination zu ringen und sich dahin zu bringen in ihr eine reale Möglichkeit und nicht bloß Traum oder Spielerei zu sehen.

Schumpeter deutet an, unbewusstes Denken und Fühlen sind das Normale, auch und gerade im Alltag. Bei bewusstem Denken und Fühlen handelt es sich um eine Art von „hochenergetischem Luxus“ (Ciompi). Wer sich diesen Luxus nicht gelegentlich leistet, verschenkt sein Evolutionspotential.

Innovatives unternehmerisches Handeln erfordert einen „großen Überschuss von Kraft über das Erfordernis des Alltags“ hinaus, die temporäre Überwindung des unbewusst „gewöhnlichen Fühlens und Denkens.“

2 Bewusste Inkompetenz

Ausgangspunkt der persönlichen Entwicklung ist die zweite Phase, das Erkennen bzw. Wahrnehmen, daß ich mit meinen gegenwärtigen Fähigkeiten „Probleme“ habe oder erzeuge. Beispiel Wissen.

Bei unbewusster Fähigkeit weiß ich noch nicht, daß ich nicht weiß Wissensschaffung verstehen wir hier als einen aktiven Prozess, in dem Wissen erarbeitet wird. Wenn ich weiß, daß ich nicht weiß, bin ich mir meines Unwissens bewusst.

Ein arroganter und ungeduldiger Mensch kann lernen aktiv zu hören und andere Gesichtspunkte wahrzunehmen – aber nur dann, wenn er zuerst erkennt, wie seine erlernten Gewohnheiten ihm selbst schaden und seine Beziehungen vergiften (Goleman).

„Erkenne dich selbst“, lehrte Thales von Milet. „Be your own worst critic“, wird amerikanischen Unternehmern mit auf den Weg gegeben (Maloney).

Man erkennt im immerwährenden Wissen des eigenen, niemals vollendeten Könnens, dass für das Ausüben einer Kunst kein Ende existiert.

„So lebt der Meister sein Leben, sich seiner Unvollkommenheit bewusst, niemals mit seinen Fähigkeiten zufrieden, selbst an seinem allerletzten Tag nicht, weder eingebildet noch herablassend.“

Yamamoto Tsunetomo

Bewusstsein und Selbsterkenntnis

Wenn einer weiß, was mit ihm nicht stimmt, und sich entsprechend verhält, lebt er höchstwahrscheinlich viel länger als derjenige, der sich für kerngesund hält und seine Schwächen nicht wahrhaben will.

In diesem Sinne kann dir also selbst eine gewisse Schwäche einen großen Gefallen erweisen, wenn du dir nur eingestehst, daß sie da ist.

Hast du einmal deine Grenzen erkannt und akzeptierst, kannst du mit ihnen umgehen, statt gegen sie anzugehen und über sie zu stolpern. Und dann wirst du erkennen, daß deine Grenzen vielfach deine Stärken sind.

Gewohnte Verhaltensmuster werden so lange festgehalten, bis Probleme entstehen, die neue Probleme, Krisen und Leiden erzeugen.

„In ihrem ganzen Leben bekommen sie das, was in ihnen ist und nur ihnen gehört, nicht in den Blick. Sie sind aktive Menschen! Es ist ein Jammer“ (zitiert in Merton).

Tschuang-tsu

Die Überwindung der durch Fähigkeitsroutinen geprägten Aktivitätsmuster besteht – negativ gesprochen – darin, die bewussten Schemata, die Verhalten in gewohnten Bahnen festhalten, aufzulösen (unfreezing, Strukturauflösung) und eine Neustrukturierung, das Erlernen neuer Kompetenzen zu ermöglichen.

Bewusstsein und Emotionen

Lernen beginnt und endet im Unbewussten.

Bewusste Prozesse sind nützlich, da sie es erlauben, „Störungen“ in der strukturellen Kopplung durch Kompetenzentfaltung zu beheben, um sie dann wiederum überflüssig zu machen.

Dieses Wahrnehmen, die bewusste Aufmerksamkeit (awareness und attention) bezieht sich auf alle Elemente unternehmerischer Kompetenz, kognitive, körperliche, emotionale und seelische.

Beispielsweise muss man sich seiner eigenen Emotionen bewusst werden und erkennen, wie problematisch negative Emotionen wie Neid, Eifersucht, Aggression oder Hass sein können.

Auslöser für Neukombinationen sind vielfältig. Im ökonomischen System spielen wettbewerbliche Herausforderungen eine Schlüsselrolle. Die Alltagsroutine oder ein „adaptive response“ reichen nicht immer aus, diese zu bewältigen; schöpferische Zerstörung ist die natürliche Folge (de Geus).

Bewusstsein im Alltag

Wenn wir als Unternehmer in der Alltagsroutine gefangen sind, fühlen, denken und handeln wir bei unbewusster Inkompetenz. Ein erster kritischer Umschlagpunkt in der unternehmerischen Selbstevolution ist das Erkennen, das Beobachten und das Sich Bewusstwerden der eigenen Inkompetenz. Der Mangel an Kompetenz wird bewusst wahrgenommen: bewusste Inkompetenz. Ohne Beobachter gibt es nichts – auch keine Inkompetenz.

Selbstevolution und Selbst-Beobachtung

Selbstevolution ist an das Selbst-Beobachten und damit an bewusst wahrgenommene Fähigkeitsdefizite gebunden. Unfähigkeit, außer jener, die der einzelne selbstbeobachtet, existiert nicht. Das heißt aber, es existiert keine Aufmerksamkeit und kein Bewusstsein in der Domäne der Beziehungen des Systems Unternehmer.

Kompetenzlücken und -mängel bleiben damit Basis des Alltagshandelns, auch wenn dieses noch so viel Schwierigkeiten mit sich bringt. Vor eine Veränderung kommt stets das Akzeptieren der eigenen (In-) Kompetenz.

Neues lässt sich erst lernen, wenn das Alte akzeptiert, bewusst anerkannt ist. Bewusstes Akzeptieren der eigenen Schwäche ist der Keim der Veränderung. Es hilft, eingefahrene Bahnen zu verlassen, neu anzufangen, Neues zu lernen, neue Fähigkeiten zu erwerben.

Persönlichkeitsmanagement und Bewusstsein

Das Wahrnehmen des eigenen Persönlichkeitsprofils, die Beobachtung des Selbst aus der Sicht des anderen, der Sprung in Funktional- und Fähigkeitsbewusstsein, eröffnet dem Lernenden überraschende Handlungsalternativen, ohne seine Persönlichkeitsausprägung grundlegend zu ändern:

Ein Unternehmer kann durch Auswahl von Mitarbeitern bzw. durch Einbinden von anders profilierten Partnern in das Gründungsteam eigene Unzulänglichkeiten zu kompensieren versuchen. Sein unternehmerischer Erfolg bleibt aber immer noch von ihm selbst abhängig, was zugleich auf die Grenzen dieser Möglichkeit verweist.

Bewusstsein und Lernen als Unternehmer

  • Ein Unternehmer muss bei sich selbst ein Minimum an Kommunikationsfähigkeit sicherstellen, ohne seine unternehmerischen Ziele zu gefährden.
  • Er muss sich verständigen und austauschen können, was eine minimale Ähnlichkeit zum anderen bedingt. Sonst lassen sich seine Schieflagen und Macken durch andere nicht mehr kompensieren.
  • Unternehmertum ist nicht delegierbar. Er kann eigenen Schwächen durch Einsatz kompensierender Verhaltensweisen begegnen. ZB. weiß ich um meinen Jähzorn, ziehe ich mich aus „gefährlichen“ Situationen zurück oder bitte (vorher) andere, um entsprechende Interventionen/“Störungen“.
  • Kommt man leicht aus der Ruhe, kann ich Panikreaktionen durch Einplanen von Ruhe/Reflexionspausen vorbeugen.
  • Negative Emotionen lassen sich steuern, ohne sie zu überwinden. Die Voraussetzung für solches erfolgreiches „Persönlichkeitsmanagement“ ist immer der Sprung von unbewusster zu bewusster Unfähigkeit, die gute Kenntnis der eigenen Person und das Zugeben der eigenen Unzulänglichkeiten.
  • Akzeptanz der eigenen Fehler, Offenheit für Kritik, Aufsuchen von ehrlichen Rückmeldungen, sich immer wieder überlegen, welche Schwächen man aufweist, (dito) können einem helfen.

Aber wer kann das schon alles und in jeder Situation?

Immerhin: Die Kenntnis der eigenen Person eröffnet dem Unternehmer bemerkenswerte Handlungsstrategien.

Bewusstsein, Lernen und Unternehmenserfolg

Wie wir sehen bestimmt Persönlichkeit nicht den Unternehmenserfolg. Bei gleicher Persönlichkeitsstruktur verfügt der Unternehmer über unterschiedliche Handlungsstrategien – potentiell erfolgreiche und erfolglose. Um solche zu erkennen und auszuwählen, ist ein Lernen auf der dritten Ebene unverzichtbar.

3 Bewusste Kompetenz

In der dritten Stufe des Lernens werden neue Kompetenzen bewusst erworben und angewendet: bewusste Kompetenz.

Lernen und das Anwenden der Fähigkeit sind bewusst vollzogene Prozesse. Sie sind eingebettet in den Luxus“ von Fühl-, Denk- und Verhaltensprozessen bei Erreichen einer „kritischen Masse“: nämlich dem Erwerb von neuen Kompetenzen durch ständiges Lernen.

Es wird immer Fehler geben, die Mentoren, Coaches oder fortgeschrittene Schüler aufzeigen. Dieser Fehler muss sich der Unternehmer ständig bewusst sein, doch er muss sich auf deren Vermeidung konzentrieren. Dies heißt, daß er nie seine Aufgaben automatisch durchführen sollte. Empfohlener Beitrag: Wie Social Proof deinen Unternehmenserfolg mitbestimmt.

4 Unbewusste Kompetenz

Ist eine neue Fähigkeit gemeistert, lässt sie sich unbewusst-routiniert anwenden: Man hat unbewusste Kompetenz. Ursprünglich bewusste Abläufe gehen über in eine „Automatisierung“, und werden leicht ausgeführt.

So lehrt uns ein Samurai aus der Tokugawa-Zeit:

Erst wenn solches Denken zu einer unbewussten körperlichen Durchführung gelangt ist, ist er bereit für den Zustand des ‚Keine Gedanken‘, der äußersten Konzentration – auf den Kampf von Mann zu Mann

Samurai Weisheit

Videos – Wie ein Lernprozess funktioniert

Sieh dir her auch gerne die Phasen des Lernens an, die ich vor vielen Jahren auf Youtube eingestellt hatte.

Die Phasen des Lernens Teil 1

Bewusstsein, Lernen im NLP

Dieses vierphasige Modell des Kompetenzerwerbs findet im neurolinguistischen Programmieren (NLP) vielfache Anwendung.

Der Samurai lernte seine Kunst nach diesem Verfahren. Das Erlernen neuer Fähigkeiten durchläuft die Phasen 1, 2, 3 und 4.

Beim Verlernen von unbewusst genutzten Fähigkeiten ist eine Rückkehr von Stufe 4 auf Stufe 2 erforderlich, dass Rückgewinnen von Bewusstsein vor dem Start neuer Lernprozesse.

Lernen und Kompetenzentwicklung

Funktional höhere Kompetenzen entwickeln sich durch die niederen hindurch, aber nicht aus den niederen heraus.

Die Evolution unternehmerischer Fähigkeiten ist eingebunden in Lernprozesse unterschiedlicher Bewusstseinstiefe, aber nicht ablösbar von spontanen Bewusstseinssprüngen. Damit wird Unternehmertum erlernbar, und ist offen für Lehre und Training.

Bewusste Unternehmerausbildung = Ausprobieren

Über Inhalte ist damit noch nichts gesagt, wohl aber über den instrumentellen Kern:

  • Unternehmerausbildung ist grundsätzlich betrachtet das Fördern von, bzw. das Anregen zu Bewusstseinswachstum.
  • Unternehmerlogik ist auch in seiner Differenziertheit evolutionärem Lernen und Selbstevolution zugänglich, jedoch nicht im Sinne einer Input-Output-Logik. Chaosnahe Prozesse sind das Normale. Phasensprünge und Schmetterlingseffekte sind in diese Selbstevolution integriert.

Auf die Frage: „Wo ist der Beweis, daß so etwas auch funktioniert?“, gibt es nur eine Antwort: Ausprobieren + Selbstbeobachten.

Eine Übungspraxis, die ohne diese Probleme auskommen will, verschenkt die Potentiale des sich selbstentfaltenden Unternehmertums.

Im Durchlaufen dieses Lernzyklus gibt es zwei kritische Phasen:

  • den Übergang von unbewusster zu bewusster Unfähigkeit und
  • von letzterer zu bewusster Fähigkeit.

Die erste Phase ist reine Reflexion, Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen. Zu wissen welche Fähigkeiten man erwerben oder verstärken will, ist Reflexion.

Passender Beitrag: Der mentale Ankereffekt

Unternehmertum = Schritte in Unbekanntes

Woher nimmt man die Energie zum Erlernen von neuen Fähigkeiten? Lässt sich diese Energie selbst erzeugen- und wie?

Eine innovative Gründung ist ein zweifacher Schritt in Unbekanntes: der Gründer verläßt die Sicherheit einer angestellten Existenz, und er verwirklicht seine Unabhängigkeit durch eine Neukombination.

Schumpeter sagt, das neue Unternehmen, oder diese neue Kombination wächst nicht aus dem Alten hervor, sondern es tritt neben das Alte.

Der Urzustand des Neuen, die Geburt eines neuen Unternehmens, ist offensichtlich in formalen Strukturen und Prozessen eines Systems weder mach- noch darstellbar, – und auch nicht wirklich zu finanzieren – genauso wenig wie es mit der formalen Modelltheorie zu erklären ist.

Im Anfang herrscht das Chaos, im Kopf, der Psyche, der Organisation, auf dem Markt.

Dazu müssen pädagogische Anlässe geschaffen werden, in denen man Unternehmertum und Selbstverwirklichung auch lernen kann. Dabei geht es weniger um Wissen und analysieren, als um Handeln und Kompetenz.

Bewusstsein und bewusstes und unbewusstes Nichtwissen

Wissen hat bewusste und unbewusste Komponenten. Wenn mir bewusst ist, dass ich Wissenslücken habe (bewusstes Nichtwissen), kann ich mich in meinem Verhalten darauf einstellen.

Ein Kapitän mag wissen, dass auf seiner Route Eisberge auftauchen könnten, obwohl er nicht weiß, wann, wo, mit welcher Häufigkeit, sie seinem Schiff gefährlich werden können (bewusstes Nichtwissen).

Weiß der Kapitän nicht um die Gefahr und das Vorkommen von Eisbergen, lenkt er sein Schiff ‘eisbergblind’, handelt und entscheidet er bei unbewusstem Nichtwissen. Wissen, von dem ich nicht weiß, daß ich darüber nicht verfüge.

Vier Arten von Wissen

Wir können vier Arten von Wissen unterscheiden, wenn wir Wissen/Nichtwissen (das Ungewusste) mit den Kategorien bewusst/unbewusst verknüpfen (In der folgenden Aufstellung erweitern und modifizieren wir eine von Liam Fahey/Babson College vorgestellte Wissenstypologie. Sofort wird die Bedeutung des Bewusstseins bei der Suche, dem Erwerb und den unternehmerischen Auswirkungen von Wissen deutlich.

Explizites und bewusstes Nichtwissen sind unproblematisch, weil sich der Betroffene seines Wissens/Nichtwissens bewusst ist. Er weiss, daß er über bestimmte Zusammenhänge nicht Bescheid weiß.

Er kann aber auch wissen – die zweite Art bewussten Nichtwissens – nicht zu wissen. Und dann gibt es noch eine dritte Kategorie bewussten Nichtwissens: Je mehr man weiß, desto mehr weiß man nicht, dass man nicht weiß, und was man nicht weiß.

Wissenslücken füllen

Wer weiß, daß er Wissensdefizite hat, kann die Wissenslücke füllen (Lernen 1) oder wissende Partner wie zB. die Digital Coach Academy aufsuchen. Der Seminarteilnehmer operiert in beiden Fällen auf der Ebene bewussten Wissens bzw. Unwissens.

Bewusstsein und Wissen liegen nahe beieinander. So behauptet der Persönlichkeitsforscher Julius Kuhl:

„Menschen, die wissen, wo die eigenen Stärken liegen, schaffen sich in ihrem Alltag die Situationen, in denen sie ihre Stärken optimal nutzen können“.

Julius Kuhl

Genauso gut ließe sich sagen:

„Menschen, die sich ihrer eigenen Stärken (und Schwächen) bewusst sind…“

Doreen Ullrich

Vor dreihundert Jahren schreibt Yamamoto, ein japanischer Samurai:

Man erkennt im immerwährenden Wissen des eigenen, niemals vollendeten Könnens, dass für das Ausüben einer Kunst kein Ende existiert. So lebt der Meister sein Leben, sich seiner Unvollkommenheit bewusst, niemals mit seinen Fähigkeiten zufrieden, selbst an seinem allerletzten Tag nicht, weder eingebildet noch herablassend.

Yamamoto Tsunetomo

Peter Drucker argumentiert ähnlich. Zu wissen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen, ist der Schlüssel für wirksames „Selbstmanagement“. Die meisten Menschen glauben zu wissen, in welchen Dingen sie gut sind – und liegen dabei in der Regel ziemlich falsch. Eher wissen sie, was sie nicht können – und selbst da irren sich die meisten …“

Selbstbeobachtung und Reflexion

Offensichtlich geht es hier um Kompetenzwissen der dritten Lernebene, um Selbstbeobachtung oder Reflexion.

Die „meisten Menschen“ sind sich nicht bewusst, dass sie ihre eigenen Stärken und Schwächen nicht kennen. Folglich sind sie nicht in der Lage, „sich selbst zu managen“. Das führt nicht selten an den Punkt, wo der Lebenssinn gefährdet ist.

Menschen müssten lernen, sich selbst zu beobachten, eine Beobachtung zweiter Ordnung praktizieren (im Unterschied zur Beobachtung von Dingen, Ereignissen, Objekten auf der ersten Lernebene). Was ich bin und kann, erschließt sich durch eigene Beobachtung von mir selbst. Die Einleitung von Kompetenzlernen hängt somit am Übergang von unbewusstem zu bewusstem Nichtwissen durch Selbstbeobachtung (oder Selbstreflektion).

Tacit knowledge – nicht kommunizierbares Wissen

Wenn jemand über ihm selbst unbekanntes Wissen verfügt (implizites Wissen), kann er sein Wissen an andere nicht weitergeben. Der Wissenstransfer scheitert. Ein wichtiger Spezialfall dieser Kategorie ist tacit knowledge, nicht kommunizierbares Wissen. Die problematischte Wissenskategorie ist unbewusstes Nichtwissen, das ungewusste Nichtgewusste.

Kein Berater oder Partner kann nunmehr helfen, nur echte Selbsthilfe auf der dritten Lernebene. Wird ein Gründer mit Vielfalt oder Störungen konfrontiert, die in den Bereich unbewussten Nichtwissens fallen, ist unternehmerisches Überleben gefährdet. Interne Vielfalt lässt sich nicht mobilisieren, da eine Reflexion über die Herausforderung nicht stattfinden kann. Lernen 3 wird notwendig.

Selbsterkenntnis und Selbstakzeptanz

Der erste Schritt im Lernen ist Selbsterkenntnis und Selbstakzeptanz, der Schritt vom nichtbewussten zum bewussten Wissen/Nichtwissen.

Die Wissensprobleme zeigen sich beim lernenden Unternehmer selbst genauso wie bei dem mit ihm interagierenden Berater oder Trainer. Wissen, von dem der Lehrer nicht weiß, daß es relevant ist (unbewusstes Nichtwissen), lässt sich nicht vermitteln oder in Lernprozesse anregen.

Wirksame Lehre und Beratung erfordert deswegen die ständige Selbsttransformation des Lehrenden/Beraters/Trainers/Coach von unbewusstem zu bewusstem Nichtwissen (Lernen 3).

Die Praxis des Entrepreneurship (Unternehmergeistes) befasst sich deshalb mit den Ebenen des Lernens, weil sich hier echter Wissenserwerb und Kompetenzentfaltung vollziehen.

Ich hoffe du konntest einen Mehrwert aus diesem umfangreichen Beitrag ziehen! Für Vorschläge zur Ergänzung bin ich dankbar, dann freue ich mich über deinen Kommentar!

Alles Liebe und bis zum nächsten Mal,

Deine Doreen

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